Iran-Krise und die Straße von Hormuz: Warum „betrifft mich nicht" die teuerste Lüge für Unternehmer ist
März 22, 2026
Die Straße von Hormuz ist blockiert – und damit 20–30 % des weltweiten Öl- und Gastransports. Das ist kein Planspiel, das passiert jetzt.
Ölpreis: von 70 auf 120 USD pro Barrel in einem Monat. Irans erklärtes Ziel: 200 USD. Das ist kein Worst Case – das ist der angekündigte Plan.
Benzinpreise in Deutschland: +30 Cent in wenigen Wochen. Wer einen Fuhrpark hat oder Landwirt ist, rechnet in Tausenden Euro Mehrkosten – pro Monat.
40–45 % des weltweiten Urea-Exports gehen über Hormuz. Das trifft Düngemittel, Landwirtschaft und letztlich jeden Einkauf im Supermarkt.
„Ich habe nur lokale Zulieferer” ist eine Illusion. Dein Zulieferer hat Zulieferer. Deren Rohstoffe kommen aus China. Deren Energie kommt aus dem Golf. Alles hängt zusammen.
Dubai crasht. Immobilienpreise im freien Fall, Auswanderer kommen zurück. Wahrgenommene Sicherheit ist wertlos, wenn Raketen in Reichweite fliegen.
Der Mensch steht im Mittelpunkt. Fachkräfte aus betroffenen Regionen, Pendler mit steigenden Spritkosten, verunsicherte Teams – wer das ignoriert, verliert Leute.
Iran-Krise und die Straße von Hormuz: Warum „betrifft mich nicht" die teuerste Lüge für Unternehmer ist
März 22, 2026
Die Straße von Hormuz ist blockiert – und damit 20–30 % des weltweiten Öl- und Gastransports. Das ist kein Planspiel, das passiert jetzt.
Ölpreis: von 70 auf 120 USD pro Barrel in einem Monat. Irans erklärtes Ziel: 200 USD. Das ist kein Worst Case – das ist der angekündigte Plan.
Benzinpreise in Deutschland: +30 Cent in wenigen Wochen. Wer einen Fuhrpark hat oder Landwirt ist, rechnet in Tausenden Euro Mehrkosten – pro Monat.
40–45 % des weltweiten Urea-Exports gehen über Hormuz. Das trifft Düngemittel, Landwirtschaft und letztlich jeden Einkauf im Supermarkt.
„Ich habe nur lokale Zulieferer” ist eine Illusion. Dein Zulieferer hat Zulieferer. Deren Rohstoffe kommen aus China. Deren Energie kommt aus dem Golf. Alles hängt zusammen.
Dubai crasht. Immobilienpreise im freien Fall, Auswanderer kommen zurück. Wahrgenommene Sicherheit ist wertlos, wenn Raketen in Reichweite fliegen.
Der Mensch steht im Mittelpunkt. Fachkräfte aus betroffenen Regionen, Pendler mit steigenden Spritkosten, verunsicherte Teams – wer das ignoriert, verliert Leute.
30 Kilometer, die die Weltwirtschaft in die Knie zwingen
Die Straße von Hormuz ist ein Nadelöhr zwischen Iran und Oman – kaum 30 Kilometer breit, davon nur rund 8 Kilometer befahrbar. Durch diesen schmalen Korridor fließen 20 bis 30 Prozent des weltweiten Öl- und Gastransports. Kuwait, Saudi-Arabien, Irak, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate – die größten Energieexporteure der Welt sind auf diese Passage angewiesen. Als Iran die Blockade durchsetzte, war das keine symbolische Geste. Es war ein wirtschaftlicher Angriff auf die globale Energieversorgung, und er funktioniert. Für europäische Unternehmen mag das abstrakt klingen: Nur etwa 13 Prozent des europäischen LNG- und Ölimports kommen direkt aus den Golfstaaten. Aber der Ölmarkt ist global. Wenn ein Drittel des weltweiten Angebots gestört wird, steigen die Preise überall – egal, woher man selbst bezieht. Das ist keine Theorie. Das ist das, was gerade passiert.
Was kosten 40 Prozent Preisanstieg – in deinem Unternehmen?
Die Zahlen sind eindeutig: Der Rohölpreis ist innerhalb eines Monats von rund 70 USD auf über 120 USD pro Barrel gestiegen – ein Anstieg von fast 70 Prozent. Und das ist nicht das Ende. Iran hat öffentlich erklärt, das Ziel sei ein Ölpreis von 200 USD pro Barrel. Das klingt nach Propaganda, aber der Trend zeigt genau in diese Richtung. In Deutschland ist der Benzinpreis in wenigen Wochen von etwa 1,70 Euro auf über 2 Euro pro Liter gestiegen – über 30 Cent Aufschlag. Für den Privatverbraucher ist das ärgerlich, für einen Landwirt, der täglich 100 Liter Diesel in den Traktor tankt, sind das 50 bis 100 Euro Mehrkosten am Tag wenn das überhaupt reicht. Für ein Transportunternehmen, eine Spedition, einen Handwerksbetrieb mit Außendienst – überall fressen diese Kosten Margen. Und sie werden weitergegeben: an Lieferanten, an Kunden, an den Endverbraucher. Diese Spirale ist bereits in Gang.
Warum China dein Problem ist – auch wenn du dort nichts einkaufst
China importiert offiziell kein Öl aus dem Iran. Inoffiziell sieht das anders aus: Rund 14 bis 15 Prozent des chinesischen Ölimports kommen aus dem Iran, weitere 4 bis 5 Prozent aus Venezuela – beides Länder, deren Exporte aktuell massiv unter Druck stehen. China hat dieses günstige, qualitativ nicht hochwertige Öl raffiniert und als Petroleumprodukte weiterverkauft – ein profitables Geschäft, das jetzt wegbricht. Auch in China sind die Benzinpreise in Yuan deutlich gestiegen. Aber das eigentliche Problem für deutsche Unternehmen ist ein anderes: Wenn die Produktionskosten in China steigen, steigen die Preise für alles, was aus China kommt. Und das ist mehr, als viele glauben. Wer denkt, er sei von China unabhängig, hat meistens nicht tief genug in seine eigene Lieferkette geschaut. Dazu kommt ein weiteres Risiko, das kaum jemand auf dem Schirm hat: Wenn in China Engpässe entstehen, priorisiert Peking den Binnenmarkt. Exporte werden gedrosselt oder gestoppt – vielleicht nur für eine Woche, aber auf dem Seeweg werden daraus schnell drei bis vier Wochen Verzögerung.
Düngemittel: Die stille Krise, die im Supermarktregal endet
Es ist verlockend, sich zurückzulehnen und zu sagen: Meine Zulieferer sind lokal, meine Kunden sind hier, der Iran ist weit weg. Diese Haltung ist fahrlässig. Nehmen wir das Beispiel einer Schweißerei: Der Stahl kommt vom lokalen Zulieferer – soweit, so gut. Aber wo kommt der Stahl wirklich her? Immer öfter aus China. Die Schweißgeräte, die Lasertechnik, die Computer im Betrieb, die Handys der Mitarbeiter – alles globale Lieferketten. Selbst wenn das eigene Unternehmen keine direkten internationalen Lieferanten hat: Die Zulieferer der Zulieferer sind fast immer global vernetzt. Und genau dort bricht es zuerst – unsichtbar, bis es zu spät ist. Wer heute sagt „Das haben wir die letzten 20 Jahre so gemacht, passt schon”, der hat nicht verstanden, wie fragil das System geworden ist. Allein seit Januar 2026 hat sich die geopolitische Lage so dramatisch verändert, dass jede statische Risikobetrachtung überholt ist.
„Es betrifft mich nicht" – die gefährlichste Fehleinschätzung
Über Ölpreise wird geredet. Über Düngemittel kaum. Dabei ist genau hier der Hebel, den die meisten unterschätzen: 40 bis 45 Prozent des weltweiten Urea-Exports – der Grundstoff für phosphathaltige Düngemittel – gehen über die Straße von Hormuz. Der Iran selbst produziert rund 10 bis 15 Prozent des weltweiten Urea. Die Preise sind von circa 550 USD auf 680 USD pro Tonne gestiegen – ein Sprung, der sich durch die gesamte Nahrungsmittelkette zieht. Der Bauer bezahlt mehr für Dünger. Er bezahlt mehr für Diesel. Er bezahlt mehr für den Transport seiner Ernte. Diese Kosten landen am Ende im Supermarkt, bei uns im Einkaufswagen. Das passiert nicht sofort – Preissteigerungen brauchen Wochen bis Monate, bis sie durchsickern – aber die Mechanik ist unausweichlich. Und es betrifft nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa.
Dubai crasht – und was das für deine Risikobetrachtung bedeutet
Ein Beispiel, das zeigt, wie schnell sich Sicherheitswahrnehmung ändern kann: Der Immobilienmarkt in Dubai erlebt gerade einen massiven Einbruch. Nicht, weil Raketen dort einschlagen – sondern weil sie dort einschlagen könnten. Menschen, die in die Emirate ausgewandert sind, versuchen jetzt, ihre Immobilien loszuwerden und zurück nach Deutschland zu kommen. Von heute auf morgen. Das Gleiche gilt für Unternehmen, die ihre Freelancer aus Indien oder Pakistan beziehen: Wenn dort eine Energiekrise ausbricht, arbeiten die Leute vielleicht nicht mehr an deiner Webseite, sondern kümmern sich um das Überleben ihrer Familie. Das sind keine hypothetischen Szenarien – das passiert gerade. Und es zeigt, dass Risikobetrachtung nicht bei der eigenen Firmentür aufhören darf. Wer global denkt – bei Beschaffung, bei Personal, bei Investitionen – muss auch global Risiken betrachten.
Der Mensch im Mittelpunkt: Warum Risikomanagement bei den Mitarbeitern anfängt
Bei all den Zahlen und Lieferketten-Analysen gerät ein Faktor oft in den Hintergrund: der Mensch. Wenn die Benzinpreise steigen, trifft das den Pendler, der eine Stunde Fahrtweg hat und dessen Lohn ohnehin knapp ist. Vielleicht sagt er irgendwann: Dann suche ich mir lieber etwas in der Nähe. Wer Fachkräfte aus dem Iran, aus den Golfstaaten oder aus anderen betroffenen Regionen beschäftigt, muss verstehen: Diese Leute sind mit den Gedanken bei ihrer Familie. Sie wollen vielleicht Verwandte in Sicherheit bringen, sie wollen unterstützen, sie können nicht einfach so weiterarbeiten, als ob nichts wäre. Die Antwort darauf ist nicht Druck, sondern Menschlichkeit. Lieber ein paar Tage frei geben, damit sich jemand um seine Emotionen und seine Familie kümmern kann, als einen unkonzentrierten Mitarbeiter zu haben, der innerlich längst woanders ist – oder der kündigt. Ohne Mitarbeiter geht kein Unternehmen. Und wer glaubt, dass der menschliche Faktor keine Rolle im Risikomanagement spielt, der hat Risikomanagement nicht verstanden.
Plan B reicht nicht – du brauchst Plan C
Die Quintessenz aus dieser Krise ist unbequem: Ein Plan B reicht nicht mehr. Wer in einer Welt operiert, in der sich geopolitische Konflikte innerhalb von Wochen in steigende Supermarktpreise übersetzen, braucht auch einen Plan C. Just-in-Time-Logistik funktioniert in 98 Prozent der Fälle – bis eine Brücke einstürzt, ein Winter einbricht oder eine Meerenge blockiert wird. Deutsche Unternehmen haben sich über Jahrzehnte optimiert: Lagerhaltung abgebaut, Lieferketten auf Effizienz getrimmt, Puffer eliminiert. Das war wirtschaftlich sinnvoll – bis es das nicht mehr war. Es geht nicht darum, überall wieder Lagerhallen zu bauen. Es geht darum, intelligent zu analysieren: Was ist wirklich essenziell? Wo sind die echten Abhängigkeiten? Was kostet es mich pro Woche, wenn etwas ausfällt? Und dann müssen schlaue Köpfe zusammensitzen und Maßnahmen entwickeln, die zur aktuellen Realität passen – nicht zur Realität von vor fünf Jahren.
Was jetzt zu tun ist: 5 konkrete Schritte
1. 360-Grad-Blick machen: Nicht nur die eigenen Lieferanten betrachten, sondern deren Zulieferer – und deren Zulieferer. Woher kommen die Rohstoffe wirklich?
2. Kosten durchrechnen: Was kostet es, wenn Energie 40 % teurer wird? Was, wenn ein Zulieferer zwei Wochen nicht liefern kann? In Euro beziffern, nicht in Bauchgefühl.
3. Mitarbeiter im Blick behalten: Wer pendelt weit? Wer hat Familie in Krisenregionen? Wer könnte abspringen, wenn die Belastung steigt?
4. Puffer schaffen: Nicht blind Lager aufbauen, aber kritische Materialien und Spezialwerkzeuge auf Vorrat prüfen. Ein einziger fehlender Spezialsatz kann eine ganze Produktion stilllegen.
5. Regelmäßig aktualisieren: ISO-Checklisten einmal abhaken reicht nicht mehr. Risikobetrachtung muss ein laufender Prozess sein – mindestens quartalsweise, bei akuten Krisen häufiger.
Fazit
Die Iran-Krise zeigt in aller Schärfe: In einer globalisierten Welt gibt es keine isolierten Konflikte. 30 Kilometer Meerenge reichen aus, um Ölpreise zu verdoppeln, Supermarktpreise zu treiben und Fachkräfte zu verunsichern. Wer als Unternehmer heute sagt „betrifft mich nicht”, hat nicht das Risiko nicht – er hat es nur nicht gesehen. Risikomanagement beginnt nicht bei der ISO-Norm. Es beginnt beim Blick über den eigenen Tellerrand – und beim Menschen, der im Mittelpunkt steht.